Alles anders – das Leben

Schwarzes ViereckDer Wecker klingelt um 5:10, ich denke mir „nur noch 5 Minuten, nur noch ein paar Augenblicke das wohlige Warm genießen, dass sich nach Geborgenheit und Sicherheit anfühlt“. Tja, daraus wird nichts. Die Arbeit, das Geld, DAS LEBEN ruft und das nicht leise. Vehement kommen die Gedanken dahergerauscht und immer wieder fallen die Wörter: „du musst…“. Du musst heute noch die Wohnung aufräumen, die Wäsche waschen, Einkaufen gehen, Lohnsteuerausgleich machen, einen Artikel schreiben, zu einem Meeting, Social Media aktiv sein, Sport machen, an die frische Luft, das Buch fertig lesen, Verwandte mal wieder besuchen, auf den Friedhof gehen, und so weiter und so fort.

Jeder unbeschwerte Tag beginnt kurz nach dem Aufstehen mit Zwängen und er füllt sich dann nicht mehr leicht und locker an, sondern von Sekunde zu Sekunde immer schwerer. Je mehr Gedanken man sich selber macht, desto mehr drückt es auf die Schultern.

Und dann klingelt es plötzlich an der Tür und die Polizei steht da und es ändert sich von einer Sekunde auf die andere alles. In der ersten Sekunde fühlt es sich so an, als hätte man dich mit einem großen Vorschlaghammer von den Füßen geholt. Du stehst hilflos da und verstehst die Welt nicht mehr.

Ein paar Stunden später, von Verdauen kann noch nicht die Rede sein, aber die ersten Einsichten sind da – man reflektiert sich selbst, kommen erste Ergebnisse dieses Prozesses in die Gedanken: Man muss sein Leben ändern. So wie es jetzt ist kann es nicht bleiben. Alles ist zu hinterfragen, man muss endlich raus aus diesem Hamsterrad, sonst endet man auch im Grab ohne das Leben gelebt zu haben, dass man eigentlich leben wollte.

Merkt ihr was: „das Leben ändern“, „endlich so zu Leben wie man immer leben wollte“ und „alles wird hinterfragt“. Das sind Phrasen die denkt man nicht, wenn es einem gut geht. Solche Satzteile werden von unseren Synapsen im Hirn erst hervorgebracht, wenn die Kacke am Dampfen ist. Erst dann kommt man zur Ruhe und zwar in etwa so, als hätte jemand bei der Achterbahn den Nothalt ausgelöst: Von „verdammt schnell“ auf „null“. Erst nach dem Stopp setzt du man sich mit sich selbst und seinem Lebenswandel auseinander. Man versucht es zumindest…

Natürlich werden wir uns auf den Schock hin erstmal gesund ernähren, vlt. sogar einem Fitnessclub beitreten, weniger Arbeiten oder zum Rauchen aufhören. Wie lange das anhält? Naja, da kann sich jeder selbst hinterfragen, wie lange die letzte Diät gedauert hat, das Rauchen aufgehört wurde, oder der Vorsatz angehalten hat, dass man mehr Zeit mit der Familie verbringen will. Der Großteil von uns ist zu sehr Mensch und wird wieder in seine alten Gewohnheiten verfallen, weil es einfach bequemer ist.

Man kann nicht einfach so sein Leben ändern. Hallo!? Schon mal darüber nachgedacht was das bedeutet: „Das Leben“? Das sind milliardenfache Eindrücke, millionenfach wiederholte Abläufe, tausendmal getane Dinge, Fantastilliarden Gedanken und Billionen Gefühle. Da kann mir keiner weis machen, dass man das so mirnichtsdirnichts _einfach_ ändern kann.

Und so verpufft auch dieser Versuch eines Ausbruchs aus seinen Gewohnheiten, allgemein hin als das Leben bezeichnet, irgendwann wieder und man liegt in seinem Bett und denkt sich, wie schön weich und warm doch alles ist.

Ruhe in Frieden C.K.

Anmerkung: Ihr müsst nicht euer Leben ändern, aber ihr könnt mehr lieben und verzeihen. Solltet ihr Kinder haben, dann liebt sie bedingungslos.

Ich habe diese paar Zeilen geschrieben, da ich heute in der Früh erfahren habe, dass ein ehemaliger sehr guter Freund von uns gegangen ist. Wir sind im Streit auseinander gegangen und hatten das Thema nie abschließend ausgesprochen. Jetzt hat der Tod einen Schlussstrich gezogen. Soweit sollte man es nie kommen lassen. Nie.

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