Samsung Galaxy Note 3 – Test / Testbericht / Review

Wem ein Tablet zu groß und ein normales Smartphone zu klein ist, kann auf ein Phablet zurückgreifen. Im Phablet-Sektor ist Samsung sehr stark und mittlerweile mit der Note-Serie in diesem Bereich führend. Für uns ist das der Grund, das Note 3 auf Herz und Nieren zu prüfen. In Kürze gibt es auch einen kleinen Artikel zur Smartwatch Galaxy Gear, die mit dem Note sehr gut zusammenarbeitet.

Ausgepackt

Wie schon das Galaxy S4 kommt auch das Note 3 in einer Verpackung im Holz-Look zum Kunden. Im Lieferumfang enthalten sind natürlich das Note 3 selbst, ein modulares Ladegerät (das Ladekabel dient auch als Datenkabel für den PC), ein Headset + Kopfhörereinsätze und einige Garantieheftchen. Das Ladegerät hebt sich deutlich von anderen ab, da es etwas größer ist, eine Spannung von 5,3V und 2A Ladestrom liefert (der Stecker wurde auch verändert, dazu später mehr). Natürlich kann man das Gerät aber auch mit bereits vorhandenen Ladegeräten von anderen Smartphones laden.

Note 3 - Lieferumfang

Note 3 – Lieferumfang

Eine Hülle/Tasche für das teure Gerät oder sonstiges Zubehör ist nicht enthalten, kann aber zugekauft werden.

Über das Smartphone / erster Eindruck

Wenn man das Note zum ersten Mal auspackt fällt vor allem eines auf: es ist groß – sehr groß. Ich hatte in letzter Zeit Smartphones, die sich mit der Displaygröße im Bereich 4 bis maximal 5″ bewegten. Die 5″ vom Xperia Z waren mir teilweise schon viel zu groß, dies war auch dem sehr eckigen Design geschuldet. Die 5,7″ beim Note sind da natürlich auch nicht besser und geradezu riesig.

Nach etwas mehr als einer Woche Nutzung gewöhnt man sich aber daran. Ein normal großes (Super-)AMOLED-Display ist schon super, das Display vom Note ist noch besser (alleine die dargestellten Farben sind der Hammer). Unter dem Display auf der Vorderseite ist ein physischer Homebutton platziert, der von 2 Touchkeys umgeben ist (Menu & Back).

Note 3 - Front bot

Note 3 – Front bot

Auf der linken Seite finden sich die zwei Buttons für die Lautstärkeregelung, auf der Oberseite befindet sich die Buchse für Kopfhörer oder Headsets (Standardbuchse mit 3,5mm Durchmesser). Auf der rechten Seite hat Samsung die Lock- & Wake-Taste platziert. Interessant wird es auf der Unterseite, denn dort ist mittig die besondere Ladebuchse. „Besonders?“, werden sich einige denken, „was soll daran besonders sein?“. Von Tablets kennt man ja die Angewohnheit der Hersteller, spezielle proprietäre Stecker zu verwenden, weil höhere Ladeströme als über USB vorgesehen übertragen werden. Auch der große Akku des Note (immerhin 3200mAh) möchte schnell geladen werden, deshalb wurde der Anschluss erweitert: die normalen µUSB-Kabel passen weiterhin und man kann es auch damit laden. Der von Samsung vorgesehene Stecker ist aber breiter und überträgt mehr Strom. Für mich die optimale Lösung, da man so immer noch mit bereits vorhandenem Equipment arbeiten kann. Rechts daneben ist der Lautsprecher (schön laut) und DAS Feature schlechthin: der S Pen, dazu aber später mehr.

Note 3 - Unterseite

Note 3 – Unterseite

Technische Eckdaten

Bei den technischen Daten sieht man, was derzeit möglich ist: der derzeit leistungsfähigste Smartphone-Prozessor Snapdragon 800 von Qualcomm mit 4 Kernen und einer Frequenz von 4 x 2,3GHz verleiht dem Note Flügel. Grafiklastige Berechnungen übernimmt die Adreno 330, an RAM stehen ganze 3(!) GB zur Verfügung. Das Super-AMOLED-Display löst mit 1920x1080px auf, das ergibt grandiose (manche nennen es übertrieben) 441ppi. Auch größen- und gewichttechnisch (168g) ist man weit weg von der Durchschnittlichkeit. Die Außenmaße sind 151.2 x 79.2mm, an der dicksten Stelle beträgt die Höhe 8,3mm. Mit dem großen Akku ist das ein mehr als akzeptabler Wert.

Softwareseitig verpasst Samsung dem N3 Android 4.3, darüber läuft Touchwiz als UI. Es ist bunter als Stock-Android, wurde aber an allen Ecken und Enden an die Benutzung mit dem S Pen angepasst. Custom-ROMs braucht man nicht, denn Lags gehören der Vergangenheit an, bei dieser Hardware aber auch kein Wunder. 😉

Verarbeitung / Design 

Wie schon seine Vorgänger ist auch das Note designtechnisch im Grunde genommen eine vergrößerte Kopie des aktuellen Galaxy S – Flaggschiffes (hier das S4). Das ist aber keinesfalls schlecht, mir gefällt es sehr gut. Die Rillen auf der Seite sollen scheinbar Notizbuchseiten darstellen, der Homebutton vorne hebt sich farblich von der restlichen Front ab.

rechts

Um Gewicht zu sparen besteht das Note aus Kunststoff (das Display besteht selbstverständlich aus Glas) und Kunstleder. Moment, Kunstleder? Ja, die Rückseite besteht aus diesem Material. Im Endeffekt ist es wieder Kunststoff, es hebt sich aber positiv aus dem ganzen Kunststoffeinheitsbrei heraus. Aber irgendwie möchte man einiges nachahmen: die Schachtel besteht aus „Holz“, der Rahmen des Note aus „Alu“ und die Rückseite aus „Leder“. Ein interessanter Weg, wenn man ihn auch nicht komplett verstehen muss. 😉

Note 3 - Rückseite

Note 3 – Rückseite

Ansonsten hat Samsung sehr gute Arbeit geleistet. Bei den Druckpunkten von Homebutton, den Laustärketasten und dem Power-Butoon bin ich etwas empfindlich, da es meiner Meinung nichts Nervigeres als einen schwammigen Druckpunkt gibt. Aber beim Note passt einfach alles. Nichts knarzt, alle Spaltmaße passen und nichts fällt irgendwie unangenehm auf.

Display / Touchscreen

Vom Display war ich von Anfang an begeistert. AMOLED-typisch sind die Farben knallig (der Kontrast ist einstellbar, falls es jemandem zu viel sein sollte), Blickwinkelinstabilität ist ein Fremdwort für das 5,7″-Monster. Ich war einem so großen Handy bzw. Phablet immer kritisch eingestellt, 5″ sollten doch als absolute Maximum genügen. Mittlerweile kommen mir normal große Smartphones klein vor, man gewöhnt sich eben ans Note. Gerade bei Spielen oder bei der Video-/Filmwiedergabe spielt es seine Stärken aus. Die einhändige Bedienung lässt sich – falls es gewünscht wird – in den Einstellungen aktivieren,  ich habe aber alles so gelassen, wie es vorgesehen ist. Wenn man den S Pen verwendet, hält man es sowieso in der anderen Hand.  Der Touchscreen reagiert auf die kleinste Berührung, hier gibt es keinerlei Probleme. Bei Bedarf (den ich bisher noch nicht entdeckt habe) werden bis zu 10 Finger erkannt.

Damit man sich unter den Zahlen und dem Display im Besonderen mehr vorstellen kann findet ihr hier einen Größenvergleich zwischen dem HTC HD2 (4,3″-Display), dem Note 3 (5,7″-Display) und dem Nexus 7:

HTC HD2 - Samsung Galaxy Note 3 - Asus/Google Nexus 7

HTC HD2 – Samsung Galaxy Note 3 – Asus/Google Nexus 7 (2012)

Kamera

Nur ein paar Worte zur Kamera: keine Handykamera kann eine DSLR oder eine Systemkamera ersetzen, soll sie auch gar nicht. Die Kamera im Note würde ich als „durschnittlich“ bezeichnen. Bei schönem Wetter macht jede Kameras schöne Fotos. Da es hier schon länger grau-nass-kalt ist, habe ich hier ein Bild am Morgen geschossen.

Foto (Nebel)

Foto (Nebel)

Vom Hocker haut mich die Qualität nicht wirklich. Vielleicht kann man mit den Einstellungen noch etwas herausholen, das interessiert mich aber zumindest hier für den Testbericht nicht, da man mit dem Smartphone eher Schnappschüsse im Automatikmodus macht. Für alles Andere habe ich eine richtige Kamera, wo ich gerne die Einstellungen variiere, um verschiedene Dinge auszuprobieren. Und zumindest unter schönen Bedingungen ist die Qualität vollkommen ok.

Sound- & Sprachqualität

Hier ist alles im grünen Bereich. Der Lautsprecher auf der Unterseite ist ziemlich laut, auf Bässe muss man natürlich größtenteils verzichten. Ghettoblaster darf man sich keinen erwarten, dazu ist das Smartphone aber auch nicht gedacht. Der einzige negative Aspekt ist die Platzierung des Lautsprechers, denn beim Spielen oder Videos schauen verdeckt man ihn ziemlich leicht mit der rechten Hand, sodass man darauf achten sollte, wenn man noch etwas hören möchten. Bei der Sprachqualität dagegen kann ich nicht meckern, alles bestens.

Akku

Der Akku besitzt eine Kapazität von 3200mAh. Hört sich zwar nach viel an, ist es auch, aber man muss auch bedenken, dass das 5,7″-Display ordentlich Strom saugt, gerade bei hellen Oberflächen (OLED-bedingt). Selbst bei intensiver Benutzung sind zumindest 1,5 Tage problemlos möglich, sonst noch ein wenig mehr.

IMG_0399 (2000 x 1500)

Note 3 offen

S Pen

Während bei den ersten Pocket-PCs (damals noch mit resistiven Displays) war der Stift immer mit dabei und harmonierte bei der Bedienung mit dem jeweiligen Gerät. Bei den Smartphones geriet der Stift aber außer Mode – wozu auch, wenn es kapazitive Multitouch-Displays gibt, die sich gut mit den Fingern bedienen lassen? Bei der Note-Serie hingegen gehört der Stift zum guten Ton und ist nicht mehr wegzudenken; beim Note 3 ist er in der unteren rechten Ecke im Gerät verstaut. Mit der Entnahme bei gesperrtem Display wird das Note entsperrt und es erscheint ein kleines Fenster, wo man auswählen kann, was man denn mit dem Stift machen möchte (dasselbe öffnet sich, wenn man den Knopf am S Pen drückt und die Spitze gleichzeitg knapp über dem Display hält).

S Pen 1

S Pen 1

Hier kann man dann auswählen, was man tun möchte:

  • Aktionsmemo: etwas schreiben, dass mit einer Aktion verbunden ist (Anrufen,…)
  • Scrapbooker: man erhält den Screenshot des markierten Bereiches
  • Screenshot-Notiz: Screenshot wird erstellt, mit dem S Pen kann man darauf Notizen schreiben oder zeichnen
  • S Finder: nach Inhalten am Telefon suchen
  • S Pen Fenster: man zeichnet ein Fenster beliebiger Größe und kann darauf eine andere App öffnen (die Uhr z.B.). Mehr zum Thema Multiwindow dann später.

Hier ein Beispiel, was man damit anstellen kann:

S Pen 2

S Pen 2

Natürlich kann man mit dem S Pen auch schreiben (SMS, Mail, etc.) und das Note so statt mit dem Finger zu bedienen. Hier spielt es alle Stärken aus und hat ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Mit anderen Smartphones funktioniert der S Pen übrigens überhaupt nicht, erhältlich ist er bereits ab 15€ (falls er mal verloren gegangen sein sollte) .

Software

Samsung-typisch bekommt der User von der eigentlichen Android-Oberfläche nicht viel zu sehen, dafür erhält er Touchwiz UI. Der Vorteil gegenüber Vanilla Android ist der, dass man schon von Haus aus viel mehr konfigurieren kann (die Toggles in der Benachrichtigungsleiste zum Beispiel), das aber mit einem höheren Hardwarehunger bezahlt. Ein Note ohne Touchwiz könnte ich mir aber gar nicht vorstellen (obwohl ich sonst bekennender Nexus-Fan bin). Alleine der S Pen ist ziemlich genial, dazu kommt noch ein Feature, dass ich herausheben möchte: Multiwindow. Am PC ist das schon Jahrzehnte lang Standard, bei Smartphones gab es bisher immer zwei Probleme: die Bildschirme waren zu klein und die Leistung fehlte. Beides ist bei der Note-Serie von Samsung Geschichte, deshalb funktioniert diese Funktion wunderbar. Wenn man Multiwindow aktiviert hat (kann man entweder über die Einstellungen oder über die Benachrichtungstoggles), kann man auswählen, welche Apps man denn gerne haben möchte (das funktioniert mit vielen, aber längst nicht allen Apps). Wenn man dann seine Wunschapps geöffnet hat, kann man noch die Fenstergröße variieren.

Multiwindow 1

Multiwindow 2
Multiwindow 2

Natürlich sind beide Apps gleichzeitig nutzbar, es ist eben wie am PC. 😉

Speicher

Als internen Speicher erhält man 32GB, von denen etwas mehr als 25GB nutzbar sind. Zusätzlich kann man den Speicher um bis zu 64GB auf insgesamt knapp 90GB erweitern – der verbaute µSD-Slot macht es möglich. Ich habe auf die externe Karte meine Musik kopiert, der Rest liegt auf dem internen Speicher.

Note 3 - Speicher

Note 3 – Speicher

 

Region Lock & eFuse

Wenn man sich auf Amazon das Note 3 ansieht, fällt sofort auf, dass es durchschnittlich nur 2,5 von 5 Sternen in den Bewertungen bekommen hat. Wie ist das möglich? Ist es wirklich so schlecht? Nein, das Note 3 ist eines der besten (wenn nicht DAS beste) Smartphone, das man derzeit für Geld kaufen kann. Das Problem ist anderweitig zu suchen, über den ersten Punkt stolpert man bereits beim Auspacken:

Note 3 - Region Lock

Note 3 – Region Lock

Wie? Kann ich das Note nicht in Amerika, Asien oder Afrika nutzen? Habe ich dort nur einen überdimensionalen MP3-Player? Zugegebenermaßen sind die Angaben auf der Verpackung sehr verwirrend, denn das Note kann weltweit genutzt werden (sofern es keinen SIM- oder Netlock besitzt, beides sollte aber mittlerweile nicht mehr vorkommen). Der einzige Haken: bei der erstmaligen Nutzung muss eine SIM-Karte eines Providers aus den oben genannten Ländern verwendet werden. Damit sollen offiziell günstige Grauimporte verhindert werden, was Samsung in Zukunft wirklich vorhat weiß niemand so genau. Deshalb ist es sehr gut, wenn die Community dagegen protestiert; das fängt in kritischen Blogs oder eben bei Amazon-Bewertungen an.

Das zweite Thema ist eFuse bzw. Knox.

Zuerst zu Knox: Knox gibt es schon länger, war aber bisher nur Firmenkunden vorbehalten. Damit ist es möglich, das Note einerseits uneingeschränkt als Privathandy zu verwenden, andererseits konnte aber auch eine Art Sandbox aktiviert werden, in der zum Beispiel der Play Store deaktiviert wurde, um als Firmenhandy durchzugehen. Klingt doch gut, oder? Eigentlich ja, aber lest weiter. 😉

Samsung Knox

Samsung Knox

In der Vergangenheit wurde beim Flashen einer inoffiziellen Firmware bzw. einer Custom-ROM, aber auch bei Kernels ein Zähler um den Wert 1 inkrementiert. Hieß also: wenn der Zähler nicht auf 0 stand, musste das Handy geflasht worden sein. Beim Galaxy S3 war es aber zum Beispiel so, dass Chainfire aus dem XDA-Forum schon vor dem S3-Release in Europa einen passenden CF-Root-Kernel und eine App zum Zurücksetzen des Counters veröffentlicht hatte, sodass man im Garantiefall keine Probleme bekam. Samsung hat davon natürlich Wind bekommen und setzt jetzt auf eFuse. Wenn man jetzt das Note rootet, wird vereinfacht gesagt eine Leiterbahn „gesprengt“ (bzw. wird der Strom auf einen Wert erhöht, den die Leiterbahn nicht verträgt). Dies kann natürlich nicht rückgängig gemacht werden und bei der Reparatur kann auch herausgefunden werden, ob das Handy jemals geflasht wurde. Aber auch, wenn das Knox-Flag gesetzt wurde (die Leiterbahn also durch ist), funktioniert das Smartphone vollkommen normal, es betrifft wirklich nur die softwareseitige Garantie. Mehr zum Thema eFuse bzw. Samsung Knox findet ihr hier: Samsung Knox – Mysterium ? Horror oder doch gar nicht so schlimm?

Fazit

Das Note 3 ist nicht mein erstes Smartphone von Samsung, aber wohl das beste bisher. Begeistert haben mich vor allem das Display, der S Pen und auch die vorgenommenen Anpassungen bzw. Erweiterungen von Android durch Samsung. Weniger überzeugen konnten die Kamera und der Region Lock. eFuse kann ich ja noch verstehen, denn wieso sollte Samsung kaputtgeflashte Geräte auf Kulanz reparieren? Aber mit dem Region Lock hat man sich völlig zurecht den Zorn der Community zugezogen und einen wahren Shitstorm über sich ergehen lassen müssen. Hoffentlich erkrankt Samsung nicht am derzeitigen Höhenflug, den man mit grandiosen Geräten wie der Galaxy S- oder Note-Reihe erreichen konnte, es kann nämlich schneller bergab gehen als man glaubt.

Ein großes „Dankeschön“ geht an trnd und Samsung, die uns das Gerät zur Verfügung gestellt haben.

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